Beispielhafte Aktion eines erfolgreichen Türken

Der von Herrn Levent Çevikel (52) 5,5 Jahre währende Kampf um die Anerkennung seines türkischen Meisterbriefes endete in der Anerkennung seines Meisters. Jetzt bildet Herr Çevikel zwei türkische und eine russische Mitarbeiterin aus. Der Inhaber der zwei Manolya Coiffeur-Salons: "Zuerst kämpfte ich um die Anerkennung meines Meisterbriefes, danach bemühte ich mich um die Ausbildereignung. Im Zuge dessen bestand ich erfolgreich die Zulassungsprüfung. So habe ich begonnen, junge Menschen im Friseurhandwerk auszubilden. Während viele Not hatten einen Ausbildungsplatz zu bekommen, öffnete ich meine Türen. Ich hoffe, dass meine Bemühungen für türkische Handwerker als Beispiel dienen wird. Junge Menschen sollten nicht vergessen, dass man nur durch eine sehr gut fundierte Ausbildung beruflich weiter kommen kann."

Hoffnungsvolle junge Menschen

Yeliz Yörür (21), die derzeit bei Herrn Levent Çevikel in Ausbildung ist, sagte: "Lange Zeit suchte ich vergeblich nach einer Ausbildungsstelle. Herr Çevikel gab mir diese Chance. Insbesondere sollten Mädchen auf ihren eigenen Beinen stehen können und mit Hilfe meines Meisters wird mir dies gelingen." Elif Arslan (17): "Hätte Herr Çevikel mir diese Ausbildungsmöglichkeit nicht geboten wäre ich beruflich verloren gewesen. Trotz vieler Bewerbungen, erhielt ich nur Absagen."

Ehrgeiz eines Coiffeurs

Während in der BRD der Preiskampf der Friseure weitergeht, tauchen auch interessante Geschichten auf. Friseur Levent Çevikel mit seiner 30'jährigen Berufslaufbahn, der seinen türkischen Meisterbrief nach über vier Jahren in der BRD hat anerkennen lassen und somit seinen eigenen Salon betreibt, erzählte: "Obwohl ich Meister bin, wurde mein Meisterbrief hier nicht anerkannt. So wurde ich gezwungen, eine Partnerschaft mit einem hiesigen Meister einzugehen. Letzendlich habe ich jedoch die Ausnahmeprüfung erfolgreich bestanden und meinen Meister hier anerkennen lassen. Somit entfielen auch die Kosten für die eingegangene Zwischenlösung."

Vom Meister zum Gesellen

Nach Abschluss seiner Schule in Istanbul startete Herr Çevikel mit dem Friseurberuf. 1979 bestand er erfolgreich die Meisterprüfung der Innung "Istanbul Umum Kadınlar Kuaförler Manikürcüler Derneği" und erhielt seinen Meisterbrief. In solch eine Situation geraten, suchte Herr Çevikel nach Möglichkeiten, seinen Meisterbrief anerkennen zu lassen.

Abgeordneter schaltet sich ein

Herr Çevikel bat den damaligen NRW-Landtagsabgeordneten Willi Zylajew’e bei seinen Bemühungen um die Anerkennung seines Meisterbrief um Unterstützung. Herr Çevikel, der nach langen Bemühungen sein Ziel erreichte, erzählte: "1989 wollte ich meinen eigenen Salon eröffnen, mein Meisterbrief wurde jedoch nicht anerkannt. Ich legte Herrn Zylajew die Situation dar. Diversen Institutionen und Behörden schrieb ich Petitionen, sprach mit Verantwortlichen. In dieser Zeit war eine gesetzliche Anerkennung meines türkischen Meisterbriefes nicht möglich. Letzendlich wurde 2003 das Thema aufgegriffen."

Kommission befasst sich mit dem Thema

Mit dem Einsatz von Herrn Zylajew wurden zum Thema Anerkennung türkischer Meisterbriefe einige Entschlüsse gefasst. Es wurde entschieden, dass eine Ausnahmeprüfung notwendig wäre. Herr Çevikel bestand die Ausnahmeprüfung, für die er eine Gebühr in Höhe von EUR 750 zahlte. "Im Anschluss habe ich meinen Eintrag bei der Handwerksrolle vorgenommen und bin Mitglied der Innung geworden. Jetzt bin ich für meinen Salon alleine verantwortlich und frei von Kosten für die Zwischenlösung."

Herr Zylajew gratuliert

Herr Zylajew, der der Meinung ist, dass nicht nur die Meisterbriefe sondern auch die Universitätsabschlüsse anzuerkennen wären, gratulierte Herrn Çevikel. Zylajew: "Wir müssen gewährleisten, dass Menschen ihre Berufe auch in Deutschland ausüben können. Es gibt viele Handwerker, die in Folge der Familienzusammenführung hier leben. Auch Menschen mit einer Universitätsausbildung müssen wir für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen."

Wie beantragen?

Eine Übersetzung des türkischen Meisterbriefes sowie der Nachweis einer Ausübung des Berufes in Deutschland müssen der Handwerkskammer bei Antragstellung erbracht werden. Der Antragssteller muss im Anschluss eine Ausnahmeprüfung bestehen. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Prüfung ist es dann möglich, einen eigenen Salon zu eröffnen.

Hürriyet Ausgabe 06.01.2007

Coiffeur Manolya